Wann ist eine Herzrhythmusstörung lebensbedrohlich und was kann man dagegen tun?

Wir sprechen von einer Herzrhythmusstörung, wenn das Herz zu häufig aus dem Takt gerät, es also zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. 

Als Kardiologie werde ich von meinen Patienten oft gefragt, wann eine Herzrhythmusstörung ernsthaft gefährlich ist. Ich möchte diese Frage für Sie so hilfreich und konkret wie möglich beantworten und Tipps geben, was Sie tun können. 

Doch was ist das genau, eine Herzrhythmusstörung?

Was ist eine Herzrhythmusstörung?

Man kennt die Herzrhythmusstörung auch unter den Begriffen Arrhythmie, Herzstolpern oder Herzrasen. Das bedeutet, das Herz ist aus dem Takt geraten und schlägt entweder zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig. Herzstolpern kann gelegentlich auch bei gesunden Menschen auftreten. Sobald jedoch diese „Störungen“ der elektrischen Impulse, die den Herzschlag auslösen, häufiger auftreten und dazu noch symptomatisch sind, wird von einer Herzrhythmusstörung gesprochen.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern zum Beispiel ist eine sehr bekannte Form der Herzrhythmusstörung. 

  • Die Häufigkeit von Vorhofflimmern liegt in der Allgemeinbevölkerung bei durchschnittlich 2,2 Prozent. 
  • Bei 70- bis 80-Jährigen sehen wir eine Häufigkeit von bis zu 16 Prozent.
     

Zu dieser Störung des Herzrhythmus kommt es, wenn der Puls absolut unregelmäßig schlägt (Arrhythmia absoluta) und sich dabei die Vorhöfe im Herzen unkoordiniert bewegen (kontrahieren). Durch die dadurch entstehenden Turbulenzen können Blutgerinnsel im Vorhof entstehen, die sich lösen und ins Gehirn oder in andere Organe wandern (sog. Embolie). Wenn diese Form des Herzstolperns regelhaft auftritt, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Das Gefährliche am Vorhofflimmern ist, dass es sehr oft nicht bemerkt wird!

Was sind Herzstolpern oder sogenannte Extrasystolen?

Ein weiteres Beispiel häufiger Herzrhythmusstörungen ist das Herzstolpern. Hierbei handelt es sich zumeist um sogenannte Extrasystolen. Wir unterscheiden zwei Arten gemäß dem Ursprung des elektrischen Impulses:

  • supraventrikuläre Extrasystolen (der elektronische Ursprung ist oberhalb der Herzkammern)
  • ventrikuläre Extrasystolen (der elektrische Ursprung ist in den Kammern)

Beiden gemein ist, dass sie bis zu einem gewissen Maß bei fast jedem Menschen vorkommen. Erst, wenn sie sehr häufig vorkommen, sollte man eine tiefgehende Diagnostik durchführen. Extrasystolen sind vergleichbar mit einem Moped-Motor, der gelegentlich eine Fehlzündung hat. Das ist in der Regel harmlos, bedarf aber ggf. ein aufklärendes Gespräch. Manche Menschen erleben diese jedoch als sehr unangenehm, meist in Form eines deutlich spürbaren Extraschlags, verbunden mit einer kurzen Pause, die wie ein Herz-Aussetzer empfunden wird.

Symptome – Woran erkenne ich eine Herzrhythmusstörung?

Die Anzeichen für eine Herzrhythmusstörung können sehr unterschiedlich und auch unangenehm sein. Folgende Symptome können auf eine Herzrhythmusstörung hinweisen:

  • Das Herz rast oder die Brust pocht.
  • Angst und innere Unruhe können dazukommen. 
  • Brustschmerzen oder ein Druck- und Engegefühl in der Brust können auch auftreten.
  • Manche Betroffene haben Atemnot und ein Schwindelgefühl.
  • Sehr starke Herzrhythmusstörungen können zum Bewusstseinsverlust führen.

Bei einem zu langsamen Herzschlag fühlt man sich oft schlapp und ständig müde. Das sind meistens Anzeichen für Kreislaufprobleme, weil die Durchblutung mangelhaft ist. In manchen Fällen kommt es durch einen langsamen Herzschlag zu Sehstörungen oder zur kurzen Bewusstlosigkeit.

Der plötzliche Herztod

Der plötzliche Herztod zählt ebenfalls zu den Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sterben Jahr für Jahr schätzungsweise 66.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Dabei handelt es sich um kein einheitliches Krankheitsbild. Der plötzliche Herztod ist definiert als unerwarteter Tod, der nicht traumatisch bei zuvor gesund erscheinenden Personen innerhalb von 24 Stunden – in der Regel 1 Stunde nach Beginn der Symptome – zum Tode führt. 

Sollten in Ihrer Familiengeschichte gehäuft Fälle eines plötzlichen Herztodes bekannt sein, dann sollten Sie präventiv einen Kardiologen konsultieren. Ein bekannter Fall, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, ist der des dänischen Fußball-Nationalspielers Christian Eriksen. Er erlitt während eines Spiels im Rahmen der Europameisterschaft 2021 einen Herzstillstand. Durch die Wiederbelebungsmaßnahmen und den Einsatz eines Defibrillators der Ersthelfer vor Ort, konnte ihm das Leben gerettet werden.

Dr. med. univ. Markus Moser rät: „Gelegentliches Herzstolpern ist in der Regel harmlos. Sogenannte “red flags“, also Warnhinweise, sind Brustschmerzen, Atemnot, anhaltendes Herzrasen, Schwindel und Bewusstlosigkeit. Hier sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen., wenn Sie bei Ihren Beschwerden unsicher sind, dann hilft ein klärendes Gespräch beim Kardiologen.”

Ursachen – wie kommt es zu einer Herzrhythmusstörung?

Die Ursachen einer Herzrhythmusstörung können vielfältig sein. Oft lösen bestehende Herzerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Arrhythmie aus. 

Typische Auslöser für Herzrhythmusstörungen sind 

  • Bluthochdruck, 
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), 
  • ein Herzklappenfehler oder 
  • eine Schilddrüsenüberfunktion.
  • Auch bestimmte Medikamente, starkes Rauchen, der Konsum von Drogen, große Mengen an Koffein und Alkohol können ursächlich für Arrhythmien sein.

Welche Ursache hat die Psyche auf eine Herzrhythmusstörung?

Nicht zuletzt hat die Psyche und das Gefühlsleben einen starken Einfluss auf den Herzrhythmus. „Das Herz kommt aus dem Takt, wenn der Mensch aus dem Takt gerät.” Emotionen aller Art spielen eine große Rolle – das Herz schlägt schnell bei positiver Aufregung, das Herz springt aus der Brust; das Herz schlägt langsam bei Entspannung. Angst, Trauer, Wut, um nur einige Emotionen zu nennen, haben Einfluss auf unseren Herzschlag. Besonders der Zusammenhang zwischen Stress, Depressionserkrankungen und Vorhofflimmern ist heute durch Studien gut belegt.

 

Dr. med. univ. Markus Moser: “Herzrhythmusstörungen sind (mit Ausnahmen) oft eine Domäne der Psychosomatik. Daher ist meiner Meinung nach ein ganzheitlicher, psychokardiologischer Ansatz sinnvoller, als das Herz isoliert als Organ zu betrachten.”

Wann ist eine Herzrhythmusstörung also ernsthaft gefährlich und lebensbedrohend?

→ Wenn sich der Herzschlag deutlich verändert (zu langsam, zu schnell oder zu unregelmäßig) und dies gehäuft innerhalb weniger Wochen vorkommt. Achten Sie auf “red flags” – Warnhinweise wie Brustschmerzen, Atemnot, anhaltendes Herzrasen, Schwindel und Bewusstlosigkeit. Konsultieren Sie dann frühzeitig einen Kardiologen.

Wie wird eine Herzrhythmusstörung am besten behandelt?

Leichte Herzrhythmusstörungen, also ein unregelmäßiger Herzschlag, der ab und zu auftritt, ist meist normal und muss nicht behandelt werden. 

Häufiger vorkommende Herzrhythmusstörungen schwächen das Herz, wie z.B. das Vorhofflimmern. Wichtig ist dann ein Termin in einer kardiologischen Sprechstunde mit einem Beratungsgespräch sowie eine genaue Untersuchung des Herzschlags. Je nach individuellem Fall führt Ihr behandelnder Arzt dann ein EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie oder andere geeignete Diagnostik-Möglichkeiten durch.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer Herzrhythmusstörung

  • Wenn die Arrhythmie aufgrund einer organischen Erkrankung entstanden ist, kann diese in der Regel mit Hilfe von Medikamenten, einem elektrischen Impuls (elektrischer Kardioversion) oder einem Herzkatheter (Ablation) therapiert werden.
  • Auch ein symptomatisch zu schneller Herzschlag kann mit Medikamenten normalisiert werden.
  • Bei schweren Herzrhythmusstörungen kann auch das Einsetzen eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators nötig sein.
  • Es gibt in vielen Fällen konservative Möglichkeiten, wie z.B. Sport, Entspannungsverfahren, Psychotherapie, die aber individuell besprochen und abgewogen werden müssen.
  • Wichtig ist das Gespräch mit Ihrem Kardiologen, der immer die für Sie am besten geeignete Behandlung empfehlen wird und Sie dann gegebenenfalls zu einem geeigneten klinischen Kardiologen weitervermitteln wird.

Dr. med. univ. Markus Moser rät: „Vor einer Behandlung ist eine ganzheitliche Anamnese wichtig sowie ein Gespräch über mögliche Ursachen, um auch eventuelle Hintergründe einer Herzrhythmusstörung in Erfahrung zu bringen.“

Wie kann ich Herzrhythmusstörungen vorbeugen?

  1. Grundsätzlich ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Kardiologen wichtig. Sie sollten spätestens im Alter von 40 Jahren damit starten – gerade Herzrhythmusstörungen werden oft nicht als solche erkannt und können deshalb gefährlich sein.
  2. Achten Sie auf sich, auf regelmäßige Entspannung und Bewegung sowie auf eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise.