Fallstudie Bluthochdruck: Blutdruck nachhaltig normalisieren – ein Weg in die Medikamentenfreiheit
Dr. med. univ. Markus Moser
Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2026
Ein Fall aus der kardiologischen Praxis: Wie ein 51-jähriger Patient durch eine pragmatische und systematische Lebensstiländerung 30 kg verlor und seine Hypertonie schließlich ohne Medikation stabilisieren konnte. Eine ganzheitliche Hypertonie-Therapie war in diesem Fall für den Erfolg ausschlaggebend.
Hinweis: Der Fall ist anonymisiert und dient der medizinischen Einordnung. Medikamentenänderungen dürfen nie eigenständig, sondern nur ärztlich begleitet erfolgen.
Ausgangslage und Leidensweg: Wenn das menschliche System unter Dauerdruck steht
Es gibt Krankheitsverläufe, die medizinisch logisch, aber in ihrer Konsequenz bemerkenswert sind.
Viele Patienten hören bei der Diagnose Bluthochdruck den Satz: „Das müssen Sie jetzt lebenslang einnehmen.“ Dieser Fall aus unserer kardiologischen Praxis in Berlin Mitte zeigt, dass das nicht immer so sein muss. Er macht deutlich, dass Bluthochdruck häufig kein isoliertes Schicksal ist, sondern Ausdruck einer systemischen Belastung und es liegt in unseren Händen zu handeln.
Als sich der 50-jährige Patient vor ca. zwei Jahren bei uns vorstellte, waren die Blutdruckwerte deutlich erhöht. Aufmerksam wurde er aufgrund täglicher Kopfschmerzen, die ihn zu einer Konsultation beim Hausarzt bewegten.
Aufgrund der Beschwerden und des Gesamtrisikos wurde rasch eine medikamentöse Dreifach-Kombination eingeleitet, um das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt zu senken. Die Tabletten ließen auch die Kopfschmerzen nach wenigen Tagen verschwinden, bekämpften aber nur das Symptom, nicht die Ursache.
Das Herz war strukturell zum Glück noch gesund, das zeigte eine Echokardiographie des Herzens. Das metabolische Gesamtbild das nach mehreren Gesprächen und verschiedenen Untersuchungen ergab, war jedoch eindeutig
Dr. med. univ. Markus Moser: „Als ganzheitlicher Kardiologe und Psychokardiologe weiß ich, dass der Körper und die Seele hier unter einem enormen psychophysischen Dauerdruck standen. Die reine Gabe von Tabletten war für den Patienten keine dauerhafte Lebensperspektive.“
Diagnose & Strategie: Kausale Therapie statt reine Symptombehandlung
Die Diagnose Bluthochdruck war eindeutig, allerdings war der Blutdruck hier kein isolierter Messwert, sondern Teil eines größeren metabolischen und psychokardiologischen Zusammenhangs. Die Diagnose zeigte unter anderem diese Werte:
- Deutliches Übergewicht mit einem BMI von 31,8 (Adipositas Grad I)
- Erhöhte Blutfette
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Erhöhte Leberwerte im Sinne einer metabolischen Leberbelastung
- Begleitende Schlafapnoe, die mit einer Schlafapnoemaske behandelt wird
- Das gemessene Stoffwechselalter lag bei 66 Jahren, 16 Jahre über dem chronologischen Alter
Unsere Strategie lautete daher: Kausale Therapie statt reiner Symptombehandlung. In enger Zusammenarbeit mit unserem Netzwerk, insbesondere mit der Ernährungsberatung, erstellten wir einen pragmatischen, alltagstauglichen Plan. Keine radikalen, frustrierenden Diäten, sondern eine nachhaltige Lebensstiländerung, die auf Konsequenz statt Perfektion basierte.
Der entscheidende Punkt war alltagstaugliche Möglichkeiten für eine Lebensstil-Veränderung zu finden, die der Patient tatsächlich dauerhaft umsetzen konnte.
„Rigide Verbote erzeugen nur Stress, und Stress treibt den Blutdruck weiter in die Höhe. Wir mussten das System entlasten, nicht zusätzlich unter Druck setzen.“ Dr. med. univ. Markus Moser
Der Eingriff & die Heilung: Die sanfte Transformation des Lebensstils
Der „Eingriff“ war in diesem Fall die strukturierte, kontinuierliche Veränderung der täglichen Routinen über einen Zeitraum von ca. 21 Monaten. Um dem Patienten die Angst vor dem Scheitern zu nehmen, wurde eine „Politik der kleinen Schritte“ vereinbart.
Das Ernährungskonzept basierte auf fünf Säulen:
- Smarte Tricks gegen Heißhunger: Nutzung von frischen Kräutern und blutdruckneutralen Gewürzen anstelle von industriellem Salz und raffiniertem Zucker.
- Qualität statt Kalorienzählen: Orientierung an den Prinzipien der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) – Fokus auf die Lebensmittelqualität, nicht auf das strikte Rechnen.
- Feste Mahlzeitenstruktur: Einbindung von klaren Essenszeiten statt des ständigen, unbewussten „Essens nebenbei“ im stressigen Berliner Alltag.
- Vitalstoff-Maximierung: Tägliche, unkomplizierte Integration von frischem Gemüse ohne großen Zubereitungsaufwand sowie die strikte Reduktion stark verarbeiteter Lebensmittel und Diätgetränke.
- Strategisches Abendessen: Eine bewusste Gestaltung der letzten Mahlzeit des Tages, um die nächtliche Blutdruckregulation und die Schlafapnoe gezielt zu entlasten.
Ergänzt wurde dies durch anfänglich mehr Alltagsbewegung, die mit zunehmendem Gewichtsverlust in ein gezieltes, moderates Sportkardiologisches Training überführt wurde. Bei Rückfallgefahr in alte Muster (z. B. bei Geschäftsessen oder Stress) halfen psychologische Alltagstricks und eine vorab definierte Notfall-Strategie.
Die Transformation: Der Verlauf in Zahlen
Nach 21 Monaten intensiver und alltagstauglicher Begleitung präsentierte sich der Patient mit einem völlig neuen Lebensgefühl. Die Transformation an sich lässt sich am besten durch die medizinischen Fakten und Zahlen dokumentieren:
| Parameter | 08/2024 (Start) | 05/2026 (aktuell) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gewicht | 99,6 kg | 69,9 kg | −29,7 kg |
| BMI | 31,8 | 22,3 | Normalgewicht |
| Fettanteil | 30,8 % | 14,9 % | Deutlich reduziert |
| Fettmasse | 30,7 kg | 10,4 kg | −20,3 kg |
| Muskelmasse | 65,5 kg | 56,5 kg | Erhaltene Muskelbasis bei Gewichtsreduktion |
| Viszeralfett-Level | 15 | 7 | Deutlich reduziert |
| Stoffwechselalter | 66 Jahre | 37 Jahre | −29 Jahre |
Gewichtsreduktion als starkes Antihypertensivum
Gewichtsverlust wirkt bei Bluthochdruck nicht oberflächlich, sondern an mehreren biologischen Ursachen gleichzeitig. Die 2021-ESC-Leitlinie zur kardiovaskulären Prävention betont, dass Lebensstilinterventionen bei Hypertonie und hochnormalem Blutdruck indiziert sind, weil sie die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie verzögern oder deren Wirkung ergänzen können. [1]
Eine klassische Meta-Analyse randomisierter Studien zeigte: Pro Kilogramm Gewichtsverlust sinkt der systolische Blutdruck im Mittel um etwa 1 mmHg; der diastolische Blutdruck sinkt in ähnlicher Größenordnung. [2] Auch die 2023-ESH-Leitlinie beschreibt diesen Zusammenhang und verweist auf Studien, in denen bereits wenige Kilogramm Gewichtsreduktion relevante Blutdruckeffekte und ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie zeigten. [3]
Bei rund 30 kg Gewichtsverlust liegt der erwartbare Effekt damit in einer Größenordnung, die mit einer medikamentösen Kombinationstherapie vergleichbar sein kann. Entscheidend ist aber nicht nur die Zahl. Entscheidend ist: Gewichtsreduktion greift an der Ursache an.
Durch den Gewichtsverlust regulierten sich diese Parameter:
- Blutvolumen und Kreislaufbelastung
- Insulinresistenz und Zuckerstoffwechsel / Stoffwechselregulation
- Aktivität von Sympathikus und Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
- Entzündungsaktivität des viszeralen Fettgewebes
- Schlafapnoe und nächtliche Blutdruckregulation
- Sämtliche Laborwerte (Leberwerte, Cholesterinspiegel, etc.)
Mechanistisch ist diese Verbindung plausibel: Adipositas-assoziierte Hypertonie entsteht unter anderem durch Sympathikus-Aktivierung, RAAS-Aktivierung, Natriumretention, Insulinresistenz, viszerale Entzündung und veränderte Gefäßfunktion. [4] Bei gleichzeitig bestehender Schlafapnoe kommen nächtliche Hypoxie, Schlafunterbrechungen und sympathische Aktivierung hinzu; Gewichtsreduktion kann die Schlafapnoe in vielen Fällen deutlich bessern. [5]
Der kontrollierte Rückbau der Medikation
Mit der Gewichtsreduktion wurde die medikamentöse Therapie zunehmend weniger notwendig. In einem engmaschig überwachten Prozess konnten die Blutdruckmedikamente schrittweise reduziert und schließlich vollständig abgesetzt werden.
Heute zeigen sich diese Werte:
- stabile Blutdruckwerte im Normbereich
- keine antihypertensive Medikation mehr erforderlich
- Rückbildung der Schlafapnoe – ohne CPAP Maske mittlerweile
- Normalisierung der Leberwerte
- Normalisierung der Cholesterinwerte
Der 51-jährige Patient:
“Als Dr. Moser mir damals vorschlug, den Bluthockdruck ganzheitlich anzugehen, war ich skeptisch, aber neugierig. Heute bin ich 30 kg leichter, ohne Tabletten und ohne Schlafmaske und ich weiß, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch.“
Ergebnis & Fazit: Bluthockdruck ist nicht immer ein lebenslanges Urteil
Dieser Fall zeigt: Lebensstiländerung ist keine „alternative“ Methode, sondern in vielen Fällen die kausalste Therapie.
Wenn die metabolische Belastung reduziert wird, kann sich auch der Blutdruck normalisieren.
Nicht jeder Verlauf ist in dieser Konsequenz erreichbar. Nicht jede Hypertonie ist allein durch Gewichtsreduktion rückführbar. Aber diese Fallstudie zeigt, was möglich ist, wenn Ursache, Motivation und medizinische Begleitung zusammenkommen.
Was wir daraus lernen
- Kleine, stetige Veränderungen führen oft weiter als extreme Diäten. Die Zusammenarbeit mit Spezialisten ist sehr hilfreich, man kann nicht alles allein bewältigen.
- Zusammenhänge nutzen und sich darüber informieren: Blutdruck, Gewicht, Schlafapnoe, Leberwerte und Stoffwechsel gehören zusammen.
- Ärztliche Begleitung ist Pflicht: Medikamentenreduktion ist möglich, darf aber nie im Alleingang erfolgen.
Möchten auch Sie Ihre Werte nachhaltig verbessern?
Es geht nicht darum, alles sofort perfekt zu machen. Es geht darum, strukturiert zu beginnen, sich realistische Ziele zu setzen und dranzubleiben.
Dr. Moser: „Blutdruck ist nicht immer nur eine Zahl. Manchmal ist er ein Signal des Körpers, dass ein System unter Druck geraten ist. Und manchmal lässt sich dieses System wieder entlasten.“ (Verlinkung zu Blutdruck durch Stress und Angst?)
Ein Triumph der Eigenverantwortung
Letztlich zeigen diese Zahlen und Leitlinien vor allem eines: Die Medizin liefert den Rahmen, aber die Heilung gestalteten Sie zu einem großen Teil selbst. Dass heute normale Blutdruckwerte, ein freier Atem ohne Maske und ein regenerierter Stoffwechsel bei diesem Patienten möglich sind, ist kein Zufallsprodukt und auch kein bloßes Glück.
Es ist das direkte Ergebnis Ihres unermüdlichen Fleißes, Ihrer Disziplin und der Entscheidung, die eigene Gesundheit aktiv in die Hand zu nehmen. Dieser Erfolg ist Ihr persönlicher Verdienst – ein Beweis dafür, dass Ausdauer und Engagement die stärksten Medikamente sein können. Sie reduzieren nicht nur Ihr Gewicht sondern erobern sich Lebensqualität und Freiheit zurück.
Quellen
- Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, et al. 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. European Heart Journal. 2021;42(34):3227–3337. doi:10.1093/eurheartj/ehab484.
- Neter JE, Stam BE, Kok FJ, Grobbee DE, Geleijnse JM. Influence of weight reduction on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Hypertension. 2003;42(5):878–884. doi:10.1161/01.HYP.0000094221.86888.AE.
- Mancia G, Kreutz R, Brunström M, et al. 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Journal of Hypertension. 2023;41(12):1874–2071. doi:10.1097/HJH.0000000000003480.
- Hall JE, do Carmo JM, da Silva AA, Wang Z, Hall ME. Obesity-induced hypertension: interaction of neurohumoral and renal mechanisms. Circulation Research. 2015;116(6):991–1006. doi:10.1161/CIRCRESAHA.116.305697.
- Foster GD, Borradaile KE, Sanders MH, et al. A randomized study on the effect of weight loss on obstructive sleep apnea among obese patients with type 2 diabetes: the Sleep AHEAD study. Archives of Internal Medicine. 2009;169(17):1619–1626. doi:10.1001/archinternmed.2009.266.
- McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal. 2024;45(38):3912–4018. doi:10.1093/eurheartj/ehae178.
Medizinischer Hinweis: Der Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Blutdruckmedikamente sollen nicht selbstständig reduziert oder abgesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schnell sinkt der Blutdruck durch Gewichtsabnahme?
Erste Effekte zeigen sich oft schon nach den ersten 2 bis 5 Kilogramm. Die Wissenschaft zeigt: Pro verlorenem Kilo sinkt der Blutdruck im Schnitt um etwa 1 mmHg. Es ist jedoch kein Sprint, sondern ein Prozess – der Körper benötigt Zeit, um das hormonelle Gleichgewicht und das Herz-Kreislauf-System an das neue Gewicht anzupassen.
Kann ich meine Blutdrucktabletten absetzen, wenn ich abnehme?
Ja, das ist in vielen Fällen möglich, wie die Leitlinien der ESC und ESH bestätigen. Wenn die Ursache des Hochdrucks im Übergewicht lag, führt der „kontrollierte Rückbau“ der metabolischen Belastung oft dazu, dass Medikamente reduziert oder ganz abgesetzt werden können. Wichtig: Dies darf niemals eigenmächtig, sondern nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen.
Warum ist Bauchfett (viszerales Fett) so gefährlich für den Blutdruck?
Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern ein aktives Hormondrüsen-Gewebe. Es produziert Entzündungsstoffe und aktiviert das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), welches die Gefäße eng stellt und den Blutdruck nach oben treibt. Wer den Bauchumfang reduziert, schaltet diese „Hochdruck-Fabrik“ im Körper direkt aus.
Hilft Gewichtsverlust auch gegen Schlafapnoe?
Definitiv. Übergewicht ist der Hauptrisikofaktor für die obstruktive Schlafapnoe. Durch die Abnahme wird das Gewebe im Rachenraum entlastet, die Atemwege bleiben nachts offen. Viele Patienten können nach einer signifikanten Gewichtsreduktion sogar vollständig auf ihre CPAP-Maske verzichten, was die nächtliche Blutdruckregulation massiv verbessert.
Muss ich Sport treiben, um den Blutdruck zu senken, oder reicht Abnehmen?
Gewichtsreduktion allein ist bereits ein „starkes Antihypertensivum“. Kombination ist jedoch der Königsweg: Während die Abnahme das System entlastet, macht moderates Training die Gefäße wieder elastisch. Das Beste daran: Durch den Gewichtsverlust fällt die Bewegung leichter, was eine positive Aufwärtsspirale für Ihre Herzgesundheit in Gang setzt.
Tipps von der Ernährungsberaterin Geneviève Schetagne
Frau Schetagne, Ernährungsberaterin in Berlin (www.nconcept-berlin.de), hat unseren Patienten bei der Gewichtsabnahme mit einem klaren Konzept und praktischen Tipps für den Alltag unterstützt. In diesem Interview beantwortet sie Fragen, die ihr oft von Patienten gestellt werden.
- Können Sie mir kurz beschreiben, wie Ihre allgemeine Ernährungsempfehlung für unseren Patienten aussah?
Zunächst einmal darf man nicht alle in den gleichen Topf werfen. Was bei dem einen funktioniert, muss nicht automatisch auch bei dem anderen funktionieren. Bei einem ersten Termin geht es nicht nur um die Essgewohnheiten der Person, sondern auch darum herauszufinden, welche Ressourcen diese mitbringt oder welche Schwierigkeiten und Probleme es gibt: z.B. Kocht die Person gerne oder überhaupt nicht? Verfügt sie über Grundkenntnisse in Bezug auf Lebensmittel, Makro- und Mikronährstoffe? Treibt sie Sport? Arbeitet sie Vollzeit am Computer? Steht sie unter großem Stress? Schläft sie gut? Isst sie aus emotionalen Gründen?
All diese Faktoren und noch viele mehr haben einen entscheidenden Einfluss darauf, was, wie oft und wie viel auf dem Teller landet. Und mein Vorgehen hängt von der Situation meines Patienten ab. In der Ernährungsberatung gibt es keine Fertigmischungen.
- Verzicht führt oft zu Abbruch: Mit welchen „Ideen“ haben Sie beim Patienten den Heißhunger auf Salz und Zucker besiegt?
(Ziel: Praktische Tipps für Gewürze oder Alternativen, die den Blutdruck nicht belasten.)
Nicht jeder ist so, aber was Süßigkeiten und andere ungesunde Snacks angeht, hat unser Patient beschlossen, komplett auf Süßigkeiten und Chips zu verzichten, denn sobald die Tüte offen war, konnte er einfach nicht widerstehen, alles aufzuessen oder zu oft davon zu naschen.
Für die meisten Menschen funktioniert es nicht wirklich, komplett auf Zucker und Knabbereien zu verzichten. Wie bei allem gilt: Die Menge macht das Gift. Die DGE empfiehlt zum Beispiel eine Portion „Extras“ pro Tag, sei es Dessert, Alkohol, Limonade ODER Chips. Wenn man sich an diese Empfehlung hält, ist das schon mal super! Ich persönlich finde, man kann unter der Woche vernünftig sein und am Wochenende etwas weniger streng.
Wer wegen seines Blutdrucks auf seine Salzaufnahme achten muss, sollte die Etiketten lesen und den Salzgehalt der gekauften Produkte überprüfen: Bis zu 0,3 g/100 g gilt ein Produkt als salzarm. Ab 1,5 g/100 g befinden wir uns im roten Bereich. Man sollte wissen, dass die DGE maximal 6 g Kochsalz pro Tag empfiehlt.
Zum Würzen gibt es nicht nur Salz, das den Geschmack von Speisen hervorhebt. Zitrone ist ein hervorragender Ersatz für Salz. Gewürze, aber auch frische oder tiefgekühlte Kräuter verleihen Speisen Geschmack, ohne dass man viel Salz benötigt. Ein weiterer sehr wichtiger Tipp: Immer erst probieren, bevor man salzt.
- 30 kg Gewichtsverlust sind eine lange Reise: Wie sah ein typischer „Blutdruck-Schontag“ auf dem Teller des Patienten konkret aus?
(Ziel: Greifbare Beispiele für Frühstück, Mittag- und Abendessen – weg von der Theorie.)
Ich bin ein großer Fan des Tellermodells. Das heißt, auf meinem idealen Teller – den ich allen meinen Patienten empfehle, ganz gleich, woher sie kommen oder was sie essen – befinden sich immer drei Komponenten, die unverzichtbar sind und immer auf dem Teller zu finden sein müssen.
Auf einer Hälfte des Tellers befinden sich meine Farben: Obst und Gemüse, die Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe liefern. Je mehr Farben mein Tag hat, desto mehr schenke ich meinem Körper die Kräfte der Natur.
Außerdem sollte mindestens ein Viertel des Tellers aus Proteinen bestehen, sei es in Form von Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Eiern, Fisch oder Fleisch. Auch Nüsse gehören dazu, obwohl sie ebenfalls Fett enthalten.
Ein letztes Viertel des Tellers sollte aus Kohlenhydraten bestehen, idealerweise aus Vollkornprodukten. Es sei denn, man treibt viel Sport. Dieser berühmte Ausdruck „Sättigungsbeilage“ gefällt mir überhaupt nicht. Man wird nicht durch Kohlenhydrate satt, sondern durch hochwertiges Eiweiß, Ballaststoffe und gesunde Fette!
Alles lässt sich in mein Tellermodell umsetzen. Wenn ich zum Beispiel ein Stück Lachs mit etwas Vollkornreis auf die eine Hälfte meines Tellers lege und auf der anderen Hälfte viel Gemüse (z. B. Brokkoli) mit etwas Öl habe, ist mein Teller ausgewogen. Aber wenn ich einen Burger esse und die Pommes durch einen Salat ersetze, habe ich ebenfalls einen Teller, der meinem Modell entspricht.
- Auswärts essen, Einladungen, Stress: Wie sieht die Strategie in solchen Situationen aus, um nicht in alte Muster zurückzufallen?
(Ziel: Psychologische Alltagstricks und Vorbereitung auf entsprechende herausfordernde Situationen.)
Wenn das Ziel ist, Essgewohnheiten dauerhaft zu verändern, dann sind Auswärtsessen, Einladungen, Feiern oder stressige Tage oft die entscheidenden Bewährungsproben. Die wirksamsten Strategien bestehen meist nicht aus mehr Willenskraft, sondern aus Vorbereitung und dem bewussten Umgang mit typischen Auslösern.
Menschen treffen in herausfordernden Situationen oft spontane Entscheidungen. Deshalb hilft es, vorher konkrete Regeln zu definieren. Zum Beispiel: „Ich esse, bis ich angenehm satt bin, nicht bis der Teller leer ist.“ Oder: „Ich esse nur eine Portion Kuchen.“ Das Ziel ist nicht Perfektion. Eine einzelne „schlechte“ Entscheidung bestimmt nicht den Tag. Der nächste Bissen ist die nächste Entscheidung.
Viele Menschen erleben Stress als Essimpuls. Vor dem Griff zum Essen kurz fragen: „Habe ich körperlichen Hunger?“ Oder: „Bin ich angespannt, müde, frustriert oder gelangweilt?“
Ein verbreiteter Fehler ist das Verbot bestimmter Lebensmittel. Verbote erhöhen häufig deren psychologische Anziehungskraft. Stattdessen: Genuss bewusst wählen, langsam essen und die Lieblingsspeisen genießen. Das führt oft zu mehr Zufriedenheit bei geringerem Gesamtkonsum.
- Musste der Patient auch Kalorien zählen oder ging es eher um die Qualität der Lebensmittel (z. B. DASH-Diät)?
(Ziel: Klärung der Methode – ist Abnehmen bei Bluthochdruck eher Fleißarbeit beim Rechnen oder beim Auswählen?)
Ich habe Mathe nie wirklich gemocht, deshalb greife ich lieber zuerst auf das Tellermodell zurück, nutze aber auch meine Hände, um die Portionen und den Bedarf jedes Einzelnen zu veranschaulichen. Eine Portion Obst oder Gemüse entspricht beispielsweise zwei flachen Händen, dasselbe gilt für Haferflocken. Eine Portion Fleisch entspricht der eigenen Handfläche ohne die Finger.
Kalorien zu zählen ist kontraproduktiv. Man hört weder auf seinen Hunger noch auf seine Intuition, sondern achtet zudem eher auf die Menge als auf die Qualität der Lebensmittel. Wissen Sie, ich könnte meinen gesamten Kalorienbedarf decken, indem ich ausschließlich Fast Food esse. Aber das ist nicht der richtige Weg, wenn man langfristig gesund bleiben will.
- Viele scheitern am Abendessen: Welchen Einfluss hatte die Gestaltung der letzten Mahlzeit des Tages auf die nächtlichen Blutdruckwerte und die Schlafapnoe?
(Ziel: Fokus auf das Abendessen als kritischen Punkt für den Erfolg.)
Manche glauben, man solle abends auf Kohlenhydrate verzichten, doch dies wurde wissenschaftlich nie belegt. Meiner Meinung nach ist ein farbenfroher, ballaststoffreicher Teller mit hochwertigen Proteinen und Ölen optimal für das Abendessen.
Für die Verdauung und einen erholsamen Schlaf (der für die Gewichtsabnahme sehr wichtig ist) wird empfohlen, vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen.
- Sollte man sich idealerweise täglich wiegen und wie viel Gewicht sollte man pro Woche bzw. pro Monat abnehmen?
Man sollte sich nur selten wiegen, es sei denn, es ist notwendig, wie zum Beispiel beim Abnehmen. Dann höchstens einmal pro Woche. Das ist sonst unnötiger psychischer Stress, wenn man sich zu oft wiegt.
Für die meisten Menschen gilt ein Gewichtsverlust von etwa 0,25 bis 1 % des Körpergewichts pro Woche als sinnvoll und gut durchhaltbar.
Das hier vorgestellte Beispiel für eine Gewichtsabnahme erstreckte sich über mehr als ein Jahr. Wenn man zu schnell abnimmt, kann es vorkommen, dass man Wasser oder Muskelmasse verliert. Letzteres ist besonders unerwünscht.
Eine BIA-Messung ermöglicht es, festzustellen, ob der Gewichtsverlust nachhaltig ist (Fettabbau oder Muskelabbau), und es ist ratsam, eine solche Messung vor Beginn der Gewichtsabnahme durchzuführen, um die Entwicklung zu überwachen.
- Was ist Ihre ultimative Empfehlung an Patienten, die so etwas auch schaffen wollen?
Wir haben zwar nicht wirklich über Sport gesprochen, aber regelmäßige körperliche Aktivität ist ebenfalls unerlässlich, und der Patient, von dem wir hier sprechen, war anfangs überhaupt nicht aktiv und hat dann mit regelmäßiger körperlicher Aktivität begonnen. Das war ein „Game Changer“! Begegnen Sie sich selbst und anderen mit Wohlwollen. Sie werden sehen, dass jede kleine Veränderung auf lange Sicht mehr bewirkt, als wenn Sie alles auf einmal ändern. Beziehen Sie Ihre Informationen nicht aus sozialen Netzwerken! Es kursieren jede Menge Falschinformationen, die mehr schaden als nützen. Wenden Sie sich an Experten wie beispielsweise eine Diätassistentin oder ein Diätassistent. Die Krankenkasse erstattet in den meisten Fällen einen Großteil der Kosten.

Über den Autor:
Liebe Leserinnen und Leser, mein Name ist Dr. med. univ. Moser und als Kardiologe in Berlin Mitte verfolge ich bei meinen Patientinnen und Patienten einen ganzheitlichen, psychokardiologischen Ansatz. So wird neben körperlichen Aspekten ergründet, ob auch seelische bzw. psychische Faktoren für auftretende Symptome verantwortlich sein könnten. Über einen Klick auf den nachfolgenden Button erhalten Sie weitere Informationen zu meiner psychokardiologischen Praxis.
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